Die von Luminate veröffentlichte Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz bei den Verlängerungsraten für 2025: Fernsehsender werden voraussichtlich 65 % ihrer Programme verlängern, während große Subscription Video-on-Demand (SVOD)-Dienste mit nur 44 % zurückbleiben. Dieser Trend deutet auf einen grundlegenden Unterschied in der Funktionsweise und Entscheidungsfindung dieser beiden Segmente der Branche hin.

Laut Luminate tragen mehrere Faktoren zum höheren Erfolg von Fernsehsendern bei der Verlängerung bei. Traditionelle Sender arbeiten in der Regel mit eingeschränkteren Budgets und einer begrenzten Anzahl von Programmplätzen, was eine strengere Prüfung und schnellere Entscheidungen erfordert. Ihre Zuschauerdaten sind oft auch einfacher, was den Verlängerungsprozess optimiert. Im Gegensatz dazu ist die Streaming-Welt, trotz ihres Rufs als Content-Goldgrube, berüchtigt für ihre hohe Abwanderungsrate und dafür, dass viele Serien in einem unbestimmten Schwebezustand verharren, wie das Beispiel von Netflix' The Politician zeigt, das seit 2020 keine formelle Statusaktualisierung mehr erhalten hat.

Obwohl Netflix häufig die Kritik für seine Absetzungen einstecken muss, zeigt die Luminate-Daten überraschenderweise, dass es die höchste Verlängerungsrate unter den großen SVODs hat, mit durchschnittlich etwa 50 % für sein US-Portfolio zwischen 2022 und 2025. Der Bericht hebt jedoch auch eine breitere Herausforderung für Streamer hervor: die Schwierigkeit, neue, langlebige Hits zu kultivieren. Freshman-Serien machten 2025 nur 42 % der US-Drehbuchproduktionen auf großen Streaming-Plattformen aus, was auf eine mögliche Kurskorrektur in einem zunehmend gesättigten Markt hindeutet.

Für Streaming wird die Zuschauerbindung oft als entscheidende Erfolgsmetrik angesehen, wobei eine Bindungsrate von 50 % (d. h. die Hälfte der Zuschauer, die eine Serie begonnen haben, haben sie auch beendet) als wichtiger Maßstab dient. Dennoch zeigen die Ergebnisse von Luminate ein Paradoxon: Mehrere Serien, die diesen Schwellenwert erreichten oder überschritten, wurden dennoch abgesetzt. Marvels Wonder Man auf Disney+ beispielsweise behielt Berichten zufolge 52 % seiner Zuschauer über 12 Wochen. Ursprünglich für eine zweite Staffel verlängert, wurde die Show nur wenige Monate später unerklärlicherweise eingestellt. Ähnlich wurden Prime Videos On Call und Netflix' The Waterfront (das eine beeindruckende Bindungsrate von 62 % aufwies) trotz starker Zuschauerbeteiligung ebenfalls eingestellt.

Es ist jedoch keine exakte Wissenschaft, und die Schwellenwerte für die Bindung scheinen je nach Plattform zu variieren. Apple TV+ scheint beispielsweise niedrigere Bindungsraten zu akzeptieren, insbesondere für seine Prestige-Dramen wie The Studio, das eine Bindungsrate von 28 % aufwies. Peacock zeigt ebenfalls einen nachsichtigeren Ansatz, wobei seine meistgesehene abgesetzte Serie, The Copenhagen Test, eine Bindungsrate von 33 % aufwies. Dies deutet darauf hin, dass Faktoren jenseits reiner Zahlen, wie kritische Anerkennung, Auszeichnungspotenzial oder strategische Passung, für bestimmte Streamer eine größere Rolle spielen könnten.

Über Drehbücher hinaus zeigt der Bericht, dass nicht-fiktionale Serien in der Streaming-Landschaft noch steilere Hürden zu überwinden haben, mit nur etwa 38 % Verlängerungen von 2022 bis 2025, trotz Ausnahmereihen wie The Traitors, Dancing with the Stars und Love Island.

Dieser Luminate-Bericht unterstreicht die sich entwickelnde und oft unvorhersehbare Natur der Fernsehbranche, stellt lang gehegte Überzeugungen über die stabilsten Heimatorte für Inhalte in Frage und beleuchtet das komplexe Zusammenspiel von Daten, Budget und Strategie in der rücksichtslosen Welt der Serienverlängerungen.